Liebe Wünsche 2024

Wünsche kann man nicht nur für sich haben, sondern auch für andere.

Irische Segenswünsche sind wie Sonnenstrahlen auf der Haut oder wie eine warme Kuscheldecke, die uns Geborgenheit schenkt.
Sie sind ein Schutzschild aus positiver Energie. Sie umarmen dich und sollen dir das Lächeln in dein Gesicht zaubern.
Die irischen Segenswünsche sind kleine Glücksbringer die von Herzen kommen. Sie sind der geheime Zaubertrank der Kelten. Sie geben Kraft, schenken Freude und zeigen dem Empfänger, dass er nicht alleine ist.
Lass auch du dich von den jahrhundertealten Segenswünschen verzaubern und spüre die Magie Irlands, die damit in dein Leben kommt.

Sie sprechen aus dem Herzen, schenken Hoffnung, Motivation, Inspiration. Sie bestehen aus schönen Worten, sind voller Poesie und Weisheit. Sie bestechen durch die einfache, bildhaft-poetische Sprache.

Irische Segenswünsche sind  Sprüche oder Gedichte, die Glück, Schutz und Segen für verschiedene Anlässe wie Geburtstag, Hochzeit, Geburt, Taufe, aber auch Trauer oder einfach den Alltag wünschen. Sie sind eine sehr persönliche Art, Wertschätzung und Verbundenheit auszudrücken.

Es gibt so viele Anlässe, zu denen sich jemand freut, wenn er bedacht wird mit Segenswünschen. Einige bieten wir hier an zum Teilen für deine Lieben. Noch sind wir beim Aufbau unserer Videosammlung, schau immer wieder einmal gerne vorbei, vielleicht ist auch bald DEIN Segenswunsch dabei.

Wie bei unseren gesamten Einträgen auf dieser Web-Site gilt es, das Urheberrecht zu beachten. Die Clips dürfen nicht – auch nicht auszugsweise – gewerblich verwertet werden. Unentgeltlich dürfen sie nach Herzenslust gerne verschickt und verschenkt, geteilt oder runtergeladen werden. Ganz nach dem Motto: „Geteilte Freude ist doppelte Freude“.

 

Gedichte 2024

Aktuellstes Gedicht auf dieser Seite:

Zum Elterntag von Monika Pfeiffer

Nicht immer zwangsläufig begleitet von Reimen. Gedichte gibt es in vielen Variationen. So auch bei den Autoren im Team. Altbekannte Gedichte berühmter Dichter aus längst vergangenen Zeiten und Neues von aktuellen Autorinnen und Autoren präsentieren wir hier gern unter dem Dach der Autoren im Team.

Wie könnte dein Text mit uns erscheinen?
Sende uns eine E-Mail mit deinem Text. Passt er, dann wird er von unseren Off-Sprecherinnen und Off-Sprechern vertont, um anschließend als Video hier alle Interessierte zu erfreuen. Deshalb erteile mit deiner Mail auch gleich die Erlaubnis, dass dein Text sowohl vertont als auch durch die Autoren im Team kostenlos in einem Video veröffentlicht werden darf. Denn das Urheberrecht liegt natürlich bei dir, sodass du uns das uneingeschränkte Nutzungsrecht überlassen müsstest, damit wir veröffentlichen können.

Möchtest du uns gern deine Meinung zu einem unserer Videos mitteilen, dann schreibe uns. Konstruktive Kritik kann niemals schaden.

Wenn wir euch ein neues Gedicht präsentieren möchten, dann werden wir das immer hier tun. Das heißt, diese Seite wird im Laufe des Jahres wachsen.

Achtet einfach auf das Datum der Ankündigung, dann wisst ihr, ob ihr noch auf dem Laufenden seid oder wieder etwas Neues hinzugekommen ist.

Wir wünschen viel Vergnügen mit unseren nachfolgenden Gedichten 2024!

Adventsgedichte

Wer Adventsgedichte liebt

darf sich freuen. Schaut einmal auf die einzelnen Videos unter diesem Text. Anklicken und genießen! Kleine Empfehlung: Entzünde dir eine Kerzen, hole dir ein wärmendes Getränk, Weihnachtsgwürze und starte das Video.
Ganz viel Spaß damit!

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YouTube im Advent 2023

ZUSÄTZLICHES

Als wenn wir nicht auch weiterhin unsere anderen YouTube-Kanäle für euch bestücken möchten. Aber natürlich doch!

Klar, auf dem „Vielerlei-Kanal“ findet sich auch unser diesjähriges klingendes e-Adventsbuch, so wie hier auf unserer großen Weihnachtsseite. Schaut unbedingt rein, beziehungsweise, hört unbedingt zu! Denn auch in diesem Jahr haben sich wieder so viele so viel Arbeit damit gemacht – für euch  natürlich.

ABER

auch auf den anderen Kanälen findet Ihr jetzt wieder zusätzliche Beiträge in der Adventszeit. Auf dem Lyrik-Kanal freut euch auf Gedichte, auf dem Kinderkanal über den Weihnachtsmarkt auf dem Hof Spinnig mit der total mega verrückten Isabella und Max Unfug. Schaut auch immer einmal wieder auf die anderen Kanäle. So wie wir es schaffen, lesen wir ein, was uns in die Finger kommt und bereiten es für euch auf. Das tun wir besonders gern dann, wenn wir merken, dass unsere Arbeit sich auch lohnt, weil ihr die Kanäle besucht und ihr euch unsere Beiträge anhört.

Klar, wer mag und möchte, darf uns noch mehr erfreuen mit einem Like, wenn es gefallen hat.
Solltet ihr gern konstruktive Kritik üben wollen, nehmen wir diese seeeehr gern auf. In dem Falle schreibt uns bitte eine entsprechende E-Mail. Wir bieten zwar keinen Mainstream, aber Spaß sollte es euch schon machen – sogar gerade deshalb. Und wenn das nicht so ist, dann lasst es uns wissen, bitte.

Nun wünschen wir euch viel Spaß mit unseren zusätzlichen Beiträgen auf den einzelnen You-Tube-Kanälen

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unserem klingenden e-Adventsbuch2023!

Advent und Weihnachten 2023

Lasst es euch nicht entgehen – unser klingendes eAdventsbuch 2023!

So viele haben mit viel Herzblut wieder mitgeholfen, dass jeder Dezembertag bis einschließlich Weihnachten für euch eine kleine Auszeit bereithält.

Auch in diesem Jahr dürft ihr euch auf die Erstveröffentlichung eines sehr ausgefallenen Advents-Songs freuen. Der kommt dieses Mal aus Ostfriesland von dem Liedermacher Matthias Jan Brungers, denn die Interessengemeinschaft «Autoren im Team» ist überregional gewachsen. Nach Norden hin über das Münsterland bis Ostfriesland, nach Süden sogar bis in die Schweiz. Da nicht nur musikalische Beiträge einen Klang haben, sondern auch Sprache und Bilder, finden sich in der Inhaltsangabe des klingenden eAdventsbuches 2023 mehr als 24 Seiten-Titel. Jede Seite dieses neuen Buches hat dabei ihren ganz eigenen «Klang» zum Hören und auch zum Sehen, denn Farben und Bilder sind ebenso der Klang für die Seele.

Neben denen aus Ostfriesland, dem Münsterland, dem Rheinland, Ostwestfalen und sogar der Schweiz haben natürlich bemerkenswerte Talente aus der rheinischen Region Mary Winkens beim Erstellen des diesjährigen klingenden eAdventsbuches unterstützt.

An erster Stelle zu nennen wäre da das A-Team – Ava Laumanns aus Linnich und Aron Brahimi aus Heinsberg im Alter von vier Jahren – das sein Debüt zusammen mit der ebenfalls vierjährigen Amelie Neufeld aus Erkelenz zu Ostern hatte. Die beiden steuern selbst erstelltes Bildmaterial bei, welches die Autoren im Team erst dann erhalten, wenn die junge Künstlerin und der junge Künstler selbst mit ihren Werken zufrieden sind, und dabei sind die beiden wirklich sehr kritisch. Unterstützend wirkt hier auch Michelle Laumanns mit.

Das klingende eAdventsbuch wurde in diesem Jahr ganz gezielt für die Erwachsenen geschrieben. Denn auch Erwachsene brauchen manchmal ein Geschenk, eine Freude, einfach so. Und weil man das eben nur schafft, wenn auch wirklich viele mitmachen, zählt bei den Autoren das Motto: Je bunter die Talente, je unterschiedlicher das Alter, um so mehr Inspirationen und umso größer der Schatz, der sich dadurch erst ergibt. Mitmachen kann jeder, jede Altersklasse. Übrigens, im Münsterland wurde eine Premiere vorbereitet, ein Hörspiel. Und somit ist das jüngste Teammitglied der zweijährige Ilay.

Eines ist sicher, auf dem YouTube-Kinderkanal wird es mit Sicherheit weihnachtliche Beiträge geben. Inspiriert von Ava Laumanns sind bereits zwei Geschichten rund ums Huhn entstanden. Frieda, das Weihnachtshuhn besucht einen Weihnachtsmarkt und hat allerlei zu erzählen. Hingegen wird Isabella, die zuckerhonigsüße Henne selbst einen Weihnachtsmarkt auf dem Bauernhof organisieren. Aron Brahimi arbeitet noch – bislang war ihm nichts gut genug. Wir hoffen stark, er wird seinen eigenen hohen Ansprüchen noch gerecht werden. Amelie Neufeld zögert noch, vermutlich kann sie ihr Talent wegen des jüngeren Bruders nicht mehr so ausleben, wie sie gerne möchte. Mal ehrlich, wer kann denn was richtig Schönes erschaffen, wenn man ständig gestört wird?

Begleitet uns durch die Adventszeit, genießt kleine Auszeiten aus dem normalen Alltag, taucht mit uns ein in Fantasiewelten, die gerade junge Erwachsene lieben werden, lauscht den Klängen von Harfe und Orgel, hört die Botschaften der Lieder, taucht ein in die Welt der Gedichte, folgt uns in andere Orte und Länder, amüsiert euch über reale und erfundene Geschichten.

Ihr werdet sie alle nach und nach finden auf unserer Weihnachtsseite.

Fühlt euch herzlich eingeladen von den

Autoren im Team

Ostern 2022

Ostern ist immer ein Grund, euch etwas zu geben.

Ein Seelensatz für jeden Tag

Unter diesem Motto findet ihr von Freitag, dem 22.04 bis Donnerstag, dem 28.04.2022 täglich einen netten, einen liebevollen, einen nachdenklichen, einen motivierenden, einen aufbauenden, einen tröstenden Spruch. Nur 15 bis 20 Sekunden, doch diese Zeit reicht tatsächlich aus, den Gedanken eine andere Richtung zu geben.

Wir haben schöne Sprüche für uns gefunden, die wir gerne mit euch teilen Lasst es auf euch einwirken, und wenn es euch gefällt, so teilt es gerne mit anderen. Die Inhalte in den Videos sind urheberrechtlich geschützt

Die Seelensätze stellen wir nach und nach unter dem Button Seelensätze ein. Bitte habt noch ein wenig Geduld mit uns, wir arbeiten gerade mit Hochdruck an einem neuen Projekt. Ihr findet sie aber auch auf unserem youtube Kanal in der Playlist Sprüche

https://www.youtube.com/playlist?list=PLAIzjN4V3ysI3xbiV59T9zVP4jCJ6oH1_

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Alle Rechte an den Videos verbleiben bei Mary Winkens und Monika Pfeiffer, handelnd unter Autoren im Team. Ist eine weitere Person an der Erstellung beteiligt, wird diese im Text benannt (Videorechteinhaber). Das Video unterliegt dem Urheberrecht. Einer gewerblichen Nutzung widersprechen wir ausdrücklich. Für eine Verwendung in sozialen Einrichtungen, z.B. Schulen, Senioren- und/oder Pflegeeinrichtungen bitten wir um kurze Emailanfrage www.autoren-im-team.de (Kontakt)

Dorfgeschichten Teil 2

Dorfgeschichte, die Fortsetzung (Teil 2)

Dorfgeschichte Teil 2

Wie es weitergeht: Tant Clair hat Kenntnis von allen Geschehnissen, die in dem kleinen Ort vor sich gehen. Sie schmiedet selbst nach ihrem Tod noch Pläne, um den Nachfahren den Familienbesitz zu erhalten. Und Johanna erzählt ihrer Nichte noch so manche Anekdote über ihr Leben mit der herrischen Schwester. Selbst heute noch, Generationen später, bleibt eine Geschichte unvergessen. Sie wird auf allen Familienfesten immer wieder hervorgekramt. Und zwar, wie Tant Clair ihrem Bruder Gustav zu einem blauen Auge verholfen hatte.

Und wieder war es in einer Neumondnacht. Das stattliche und geräumige Anwesen lag in der tröstlichen Dunkelheit der Nacht. Einige Minuten vor Mitternacht machte Johanna sich in Nachthemd, Wollsocken, Filzpantoffeln und natürlich dem warmen Bademantel auf den Weg ins Erdgeschoss. Der Verdacht eines Nachtgespenstes drängte sich Gerta, der Nichte auf. Denn diese wollte dem Phänomen der Neumondnacht nachgehen und das Ganze als absoluten Humbug darstellen. Meinte sie, dachte sie, na ja, zumindest zu diesem Zeitpunkt.

Die Uhr schlug leise und zeigte die mitternächtliche Stunde an. Johanna saß wartend in dem bequemen Lehnstuhl und harrte mit Spannung auf die Dinge, die nun kommen würden. Gerta musste ein Kichern unterdrücken. Mit fest auf den Mund gelegter Hand schaute sie auf das seltsame Bild, das sich ihren Augen bot. Johanna in voller Nachtmontur, und dann die Lockenwickler mit dem Häubchen darüber. Die Krönung des Ganzen, fest an die Brust gepresst, Tant Clairs Brokattäschchen – der Knaller, eigentlich zum Fürchten?

Und es war wirklich schwer, da nicht laut zu lachen. Für Greta wurde es jedoch innerhalb kürzester Zeit langweilig. Greta hörte nur leise Töne, ein Summen, ein Wispern, ein Raunen. Johanna dagegen schien eine Unterhaltung zu führen. Mal ein zustimmendes Nicken des Kopfes, mal ein zögerliches, nachdenkliches kurzes Kopfschütteln. Der ganze Spuk dauerte eine geschlagene Stunde. Dann stieg Johanna die Treppe hinauf und legte sich ins Bett, als ob nichts Besonderes gewesen wäre.

Gerta traute sich nicht, Johanna direkt auf die Neumondnacht anzusprechen. Vorsichtige Fragen und Versuche, ihr etwas zu entlocken, wurden von Johanna einfach ignoriert. An einem stillen Abend kamen die unterschiedlichen Frauen ins Gespräch. Beide hatten die alte Tradition des Herzmittels fortgesetzt. Und nach 3 Gläschen des edlen Tropfens lockerte sich die Stimmung und Johanna geriet ins Erzählen. Sie schaute ihre Nichte schon fast schelmisch an und fragte diese, ob sie sich noch gut an den Onkel Gustav erinnern könne.

Vor Gretas innerem Auge erschien die elegante Gestalt Gustavs. Als Kind hatte sie heimlich für diesen Grandseigneur geschwärmt. Für sie hatte es keinen schöneren und anbetungswürdigeren Mann gegeben. Er war der Held ihrer Kindheit gewesen. Wie sollte sie sich an diesen, für sie so besonderen, Menschen nicht erinnern?

Johanna war Gertas Mimik natürlich nicht verborgen geblieben. Auch sie erinnerte sich an die Zeit, als Gerta jeden Schritt und Tritt von Gustav schmachtend beobachtet hatte. Doch taktvoll, wie sie sein konnte, sagte sie nichts und begann mit ihrer Erinnerung.

«Nebenan der Hof,also der linke,  etwas kleiner als unserer, doch dafür mit einer Nachbarin vom Allerfeinsten. Klein und zierlich, mit keck in die Welt blickenden grünblauen Augen und pechschwarzen Haaren, die sie immer in einem geflochtenen Zopf um den Kopf gewickelt trug. An jedem zweiten Samstag im Monat wusch sie ihre Haarpracht und ließ diese wunderschön anzusehende prächtige Mähne im Sommer an der Luft trocknen. Kein Wunder, dass sich Gustav in diese Frau verliebte. Zu seinem Leidwesen war sie allerdings mit dem bulligen Nachbarn verheiratet. Dieser war zwar ein unangenehmer Zeitgenosse, doch er war halt der Nachbar. So wie es aussah, empfand die Nachbarin für Gustav auch mehr, als schicklich war. Die Blicke der beiden wurden immer feuriger, doch sie wussten auch, dass nicht sein konnte, was nicht sein sollte.

Auf der einen Seite standen wir, die Schwestern, die den Kontakt nie dulden würden und auf der anderen Seite der Mann der Nachbarin und auch die sechs noch unmündigen Kinder. Beide, sowohl Gustav als auch die Nachbarin, waren echt versucht, der Anziehungskraft nachzugeben und eine Liaison anzufangen. Und hier kommt sie, die Tant Clair wieder ins Spiel. Sie hatte Gustav schon mehrfach aufgefordert, ins Haus zu kommen, sobald die Nachbarin sich im Garten blicken ließ. Als ihr das Hinterherspionieren und ständige Aufpassen auf den Bruder einfach zu mühsam wurde, sann sie im stillen Kämmerlein nach einer Lösung, diese Sache ein für alle Mal zu beenden.

Doch alle mussten ihr Gesicht wahren, man war ja schließlich gut Freund mit den Nachbarn. Ein Skandal musste unter allen Umständen verhindert werden. Der Nachbar, also der Ehemann der Schönen, war ahnungslos, jedenfalls so lange, bis Tant Clair mit Brokattäschchen bei ihm erschien. Umständlich wie immer, denn alle Augen sollten sich schließlich auf ihr Täschchen richten, öffnete sie es und bevor sie etwas rausholte, wurde es noch einmal mit einem lauten klick klack geschlossen. Erst dann holte sie das Herzmittel heraus und gemeinsam mit dem Nachbarn taten sie etwas für die Gesundheit. Sie verließ den Nachbarhof mit einem leicht unsicheren Gang.

Zunächst verlief scheinbar alles wie sonst. Gustav hatte auffällig oft im Garten zu tun, die Hecke musste unbedingt geschnitten werden, während die Nachbarin Wäsche aufhing. Der Misthaufen musste unbedingt inspiziert werden, wenn die Nachbarin Bohnen pflückte. An einem Abend, Gustav stand an die alte Weide gelehnt und schaute sehnsüchtig in den Nachbargarten, geschah das, was geschehen sollte. Der Nachbar kam aus dem Scheunentor, ging zielstrebig auf Gustav zu und regelte die Angelegenheit so, wie es zu dieser Zeit üblich war. Es fiel kein einziges Wort, doch als Gustav schleunigst durch seine Scheune ins Wohnhaus lief, war die Angelegenheit sozusagen geregelt. Gustav und der Nachbar waren seit dieser Zeit ziemlich beste Feinde, doch nach außen hin, ließ sich keiner der beiden etwas anmerken.

Ich und Tant Clair schauten Gustav zwar ein wenig bedauernd an, erwähnten sein blaues Auge und den wackelnden Schneidezahn nur ganz kurz. Das sahen wir nur als kleines Problem an, mit dem ein größeres aus der Welt geschaffen worden war. Ich sprach mit Gustav auch nur ein einziges Mal darüber, ob Tant Clair was damit zu tun haben könne, doch dabei blieb es.»

Gerta war ganz begeistert von dieser Geschichte und wollte mehr hören, doch Johanna war nicht zu bewegen, mehr zu erzählen. Stattdessen fragte sie ihre Nichte, ob sie ihre täglichen Arbeiten denn zu aller Zufriedenheit erledigt habe. Das war etwas völlig Neues, die sonst so ruhige und zurückhaltende Johanna fragte nach den Dingen, die sie selbst immer stillschweigend erledigt hatte? Ob das mit dem mitternächtlichen Gespräch mit Tant Clair zusammenhing?

Ein großes Fest stand an. Der Neffe von Johanna feierte Hochzeit. Eine Frau von auswärts hatte er sich auf den Hof im Nachbarort geholt. Sehr klein, sehr zierlich, sehr jung und auch noch sehr verwöhnt. Vorsichtige Erkundigungen, so ganz a la Tant Clair, hatten ergeben, dass das Mädchen mit fünf Brüdern aufgewachsen war. Also so quasi ein Prinzesschen.

Johannas verheiratete Schwester, die Mutter des Neffen, hatte auch schon ihre Bedenken geäußert. Sie hatte sich eine andere Schwiegertochter gewünscht. Eine starke, kräftige, die ordentlich zupacken konnte. Doch alle Versuche, die beiden auseinanderzubringen, hatten nichts gefruchtet. Johanna dachte schwermütig an die Zeit, als Tant Clair noch da war. Sie hätte dieses junge dumme Ding ausgiebig und vehement auf Herz und Nieren geprüft. Und wenn die nicht in die Familie gepasst hätte, so wäre sie mit Sicherheit von Tant Clair vergrault worden. Nun musste das Schicksal seinen Lauf nehmen.

Irgendwie hatte die nächste Neumondnacht etwas mit dem Ablauf der Ereignisse zu tun. Zumindest war ein Zusammenhang erkennbar. Wie schon so oft, saß Johanna pünktlich um Mitternacht in ihrem Sessel vor der großen Standuhr. Es schien so, als ob die Uhr diesmal lauter knarzte, ächzte und stöhnte. Und statt des wehleidigen Gesanges vermeinte man, ein mühsam unterdrücktes wütendes Heulen zu hören. Gerta vermochte Johanna kein einziges Wort darüber zu entlocken.

Entgegen ihrem natürlichen, liebevollen und ruhigen Naturell, erschien Johanna vollkommen selbstbewusst zur kirchlichen Trauung in der Heilig Kreuz Kirche. Wie selbstverständlich nahm sie in der ersten Bankreihe Platz. Schon etwas befremdlich, denn diese ersten Bankreihen direkt hinter den Kinderbänken waren bei Trauungen und Beerdigungen nur den engsten Angehörigen vorbehalten.

Nach der Predigt des Pastors hoch oben auf seiner Kanzel, langweilte Johanne sich sichtlich. Klack, klack, klick, klack, das Brokattäschchen von Tante Clair war wieder zum Mittelpunkt des Geschehens geworden. Es schien fast so, als sei sie in der Kirche anwesend. So kam es auch, dass die Kollekte, diesmal für die Renovierung der Kirche, wesentlich üppiger ausfiel als sonst.

Nachdem der Pastor der Gemeinde den Schlusssegen erteilt hatte, stellte sich die ganze Familie zum Hochzeitsfoto auf den Stufen der Kirche auf. Mit ganzer Familie waren natürlich beide Familien gemeint, auch wenn diese niemals zu einer Familie zusammenschmelzen würden. Weit gefehlt, solche Leute, die nicht ortsansässig waren, also Zugezogene, konnte man nicht in die ehrwürdige Familie aufnehmen, höchstens dulden.

So stand der Neffe mit seiner frischgebackenen Ehefrau ganz unten, zusammen mit den Blumenkindern, auf der Treppe. Links dahinter standen seine sehr streng blickenden Eltern. Die Mutter im hochgeschlossenen schwarzen Kleid mit weißem Spitzenkragen, daneben der Vater im dunklen Anzug, weißem Hemd und dunkler Krawatte. Rechts dahinter die Eltern der jungen Frau. Viel moderner, die Mutter mit einer frischen Dauerwelle und einem farbenfrohen Kleid. Der Vater natürlich auch im dunklen Anzug mit Krawatte. Hinter den Elternpaaren verteilte sich dann der Rest der Verwandtschaft. Geschwister, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen des Brautpaares. Alles folgte einer strengen Hierarchie. Johanna hatte sich ziemlich mittig in Gesellschaft der Onkel und Tanten platziert. Sie kam neben eine kleine quirlige Frau zu stehen. Wie sich später herausstelle, war es die Patentante der Braut. Bei der anschließenden Feier in der Wirtschaft (heute Gaststätte) des Dorfes saß Johanna neben dieser Frau, die sich mit dem Namen Caroline vorstellte.

Nachdem die allgemeinen Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht worden waren, kam man auch auf den Wohnort zu sprechen. Dabei stellte sich heraus, dass die Frau sozusagen aus dem Ausland kam, sprich aus einem 15 km entfernten Ort. Sie erzählte, dass der Mann ihrer Schwester, also der Vater der Braut, vor sieben Jahren als Umsiedler in Johannas Nachbarort, in dem die Schwester wohnte, gekommen sei. Auf die Frage, was mit Umsiedler gemeint sei, antwortete Caroline, dass der Schwager Haus und Hof aufgeben musste, weil tief unter der Erde die wertvolle Braunkohle lag. Und Rheinbraun die Bergbaurechte an dem Ort  von der Landesregierung Düsseldorf gekauft hatte.

Doch wie dem auch sei, in dem kleinen Örtchen hätte die ganze Familie ein schönes neues Zuhause gefunden und das Mädchen sei ja jetzt auch unter der Haube. Johannes Gedanken wanderten während dieses Gespräches zur letzten Neumondnacht. Braunkohle, Rheinbraun, Umsiedlung, was hatte Tante Clair ihr da zugeraunt?

Wie dem auch sei, Johanna veränderte sich von Neumondnacht zu Neumondnacht. Wie es weitergeht und welche Episoden aus Tant Clairs Leben noch von Johanna an Gerta weitererzählt werden…

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Dorfgeschichten Teil 1

Dorfgeschichte (beginnt 1880 – wird sie 2026 enden?)

von Gabriela-Alexandra Scharff und Mary Winkens

Zeilen zum aktuellen Wetter und zur Heimat von Gabriela-Alexandra Scharff

Zum aktuellen Wetter

Das Wetter so düster und so wild.

Verwüstest – was uns wertvoll scheint.

Willst  du uns beweisen, dass wir nur deine Knechte sind?

Wassermassen fluten Stadt und Feld, manch einer ist verloren.

Wo hier die Wassermassen toben, brennt anderswo die Welt.

Geliebte Welt, hast du dich gegen uns verschworen?

Was gerät da aus den Fugen, hör ich die Dämonen rufen?

Sollten wir dich doch mehr ehren, die, die uns doch das Leben schenkt.

Heimat

Zu Hause ist der Ort, wo du immer herzlich willkommen bist.

Hier ist mir alles so vertraut.

Der Duft der Felder, der zarte Vogelgesang.

Wird der süßliche Geruch des Raps für mich an anderer Stelle, der gleiche sein?

Das Glück zieht ein Beim Anblick der Schwalben, die kehren heim.

Hier, wo mich jeder kennt, mit freundlichem Lächeln mich empfängt.

In meiner Heimat Wo jeder meine Geschichte und Sorgen kennt.

Hier, wo man einander hilft und beschenkt.

Hier, wo meine Vorfahren verweilten

Wo ich aufgewachsen bin.

Wo ich meine erste Liebe fand und meine Kinder sind geboren.

Stets weckte mich der individuelle Glockenklang.

Er war so lieblich schön.

Was wird nun werden, bleibt nur der Duft an die Erinnerung?

Auch wenn wir bangen, die Hoffnung nicht vergeht.

Einen besonderen Glockenklang können wir heute noch von der Heilig-Kreuz-Kirche in Keyenberg hören. Sie wurde das erste Mal im Jahr 893 erwähnt und ist heute als Denkmal Nr. 178 in der Liste der Denkmäler eingetragen.

Ein weiteres Baudenkmal ist die Kapelle St. Joseph in Berverath. Ein Anwohner, Wilhelm Heinrich Joseph Jansen ließ sie zwischen 1909 und 1912 auf seiner Parzelle errichten.

Aktuell ist geplant die Bauwerke nach 2026 abzureißen, da sie dem Tagebau Garzweiler weichen sollen, wie die gesamten Orte auch.

Nun zur Dorfgeschichte und damit unweigerlich zu Tante Claire. Mit Tante Claire, steht und fällt das Leben in dem kleinen Dorf im Rheinland. Sie hat nicht nur die Menschen zu ihrer Lebenszeit geprägt. Vielmehr führt sie nach ihrem Tode weiterhin Regie. Und zwar nicht nur in Sachen Menschen oder Dorfleben. Nein, sie wacht über ihrer Meinung nach völlig unnötigen Änderungen in ihrem ehemaligen Lebensbereich. Jede Generation, die nach ihr auf diesem Hof lebt, erhält ausführliche Instruktionen. Und glaubt uns, Tante Claire hat äußerst detaillierte Vorstellungen, wie das Leben im 21. Jahrhundert auszusehen hat.

Noch heute hört die antike Standuhr in der Diele in tatsächlich jeder Neumondnacht auf, zu schlagen. Und derjenige, der in der Stille der Nacht aufmerksam lauscht, meint, anstelle des rhythmischen Tickens des Uhrwerks leises Geraune und Gewisper zu hören. Fast könnte man meinen, einen wehleidigen Gesang zu vernehmen. Ob das so stimmt? Sind das die Rufe der Vorfahren? Das wissen wir nicht, aber erzählen möchten wir euch von einer ganz normalen, gutbürgerlichen Familie, wäre da nicht die sonderbare Tante Claire.

Die Geschichte beginnt im 19. Jahrhundert mitten im heutigen rheinischen Revier. In einer kleinen, verwunschenen, recht verschlafenen Gegend, siedelten sich damals einige Bauern an. Mitten in einer Rodung entstand eine Ansammlung von mehr oder weniger stattlichen Höfen. Die Familien untereinander verstanden sich, halfen sich gegenseitig aus und bestellten auch die Felder gelegentlich gemeinsam. Zwei Kriege konnte dieser kleine Ort nahezu unbeschadet überstehen. Da wo Verluste von Ehemännern oder Söhnen zu beklagen waren, half die Nachbarschaft den Hinterbliebenen wieder auf die Füße zu kommen. Es wurde Weizen, Gerste, Buchweizen, Hafer und Ackerspörgel (eine alte Futterpflanze für Kühe) angebaut. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts kamen sehr viele Faktoren zusammen, die eine ertragreiche Bewirtschaftung dieses Gehöfts erschwerten. Landwirtschaft und Heimarbeit prägten im 20. Jahrhundert das Berufsleben in dieser Gegend. Die Zukunft lag damals bei den jungen Menschen noch daheim. Heimarbeit war üblich, auch Kinderarbeit in der familiären Landwirtschaft. Zu den Hausnebengewerben gehörten, bedingt durch den Flachsanbau, die Heimspinnerei und Weberei. Nicht nur schlechte Erntejahre, sondern vor allem die frühindustriellen Anfänge veränderten die bis dato ausgeprägten Familienbetriebe.

In einer Familie des Dorfes, die immerhin die stattliche Zahl von 9 Kindern aufweisen konnte, war scheinbar alles in bester Ordnung. Die Kinder waren um die Jahrhundertwende geboren, alle Jungen heil aus beiden Weltkriegen gekommen und die Mädchen sittsam und fleißig. Nach und nach wurden die Kinder flügge und gründeten ihre eigenen Familien, nur drei Geschwister waren noch zu haben. Als in der Mitte des 20. Jahrhunderts der Vater unerwartet an einer schweren Krankheit verstarb, waren ausnahmslos alle Kinder zur Stelle, um der Mutter beizustehen. Die Mutter wurde stets in Ehren gehalten. Sie war bis zu ihrem Tod sozusagen die Matriarchin der durch Kinder, Enkel und Urenkel sehr großen Familie. Sie starb im stattlichen Alter von 95 Jahren friedlich auf ihrem Hof. Alle Kinder unterstützten sie bis zu ihrem Ende und kurz vor ihrem Tod waren auch die Enkelkinder und Urenkel bei ihr.

Dann stellte sich die Frage, was mit Haus und Hof geschehen soll. Verkaufen war keine Option, denn bereits vor dem Tod der Mutter entschied die resolute Claire, den Hof weiterzuführen. Von nun an lebten Johanna, Claire und Gustav auf dem Hof ihrer Vorfahren, hatten ein Auskommen mit ihrem Einkommen und lebten – mhh, mehr oder weniger einträchtig zusammen.

Claire war eine fortschrittliche junge Frau, fehlende Schönheit machte sie durch einen offenen Geist wett. Der Hof mitsamt seinen tierischen Bewohnern, wurde stets gepflegt und gehegt.

Claire war bekannt wie ein bunter Hund. Hinter ihrem Rücken nannte man sie den „Dorffeldwebel“ oder auch „Fräulein Rottenmeier“. Auf ihrem Hof, nein, im ganzen Dorf kam keiner, wirklich KEINER an ihr vorbei. Claire beäugte alles und jeden mit Argwohn. Dabei zog sie hin und wieder die Augenbraue nach oben und hielt mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Widerworte akzeptierte sie nicht, denn ihrer Weitsicht der Dinge war nichts entgegenzusetzen. Schluss, Aus, Punkt, Basta!

Jeden Sonntagmorgen – zwei Kilometer Fußmarsch, bei Wind und Wetter, Sommer wie Winter, zur Kirche nach Keyenberg, das kleine Gebetbuch in der Hand und züchtig gekleidet. Ausreden gab es nicht. Der Herr gibt und der Herr nimmt – in Dankbarkeit AMEN!

Außerdem war es dieses Sehen und Gesehenwerden. Zügigen Schrittes, wie ein Wiesel eilte Claire voran, um als erste das Eingangsportal des ehrfürchtigen Gotteshauses zu erreichen. Johanna hechelte mühsam hinter ihr her und ertrug die Geruchsexplosion von Claires fürchterlichem Gemisch aus dem Parfüm von 4711 und Toska. Ob diese explosive Parfümmischung dazu diente, den Geruch des «Herzmittels» zu überdecken? Der Pastor, Johanna und auch Claire achteten auf ihre Gesundheit. Um eventuellen Herzbeschwerden vorzubeugen, gab es das Herzmittel. Der Begriff «Alkohol oder Likörchen» durfte in Claires Beisein niemals erwähnt werden. Denn das war Teufelszeug, dazu gemacht, die Menschen zu verderben. Durch die natürlichen Zutaten, beschlossen der Pastor und Claire allerdings, die in Alkohol gelösten Kräuter nicht als Genussmittel zu bezeichnen, sondern schlicht und ergreifend nannten sie es «unser Herzmittel». Das das Zeug von Johanna und Claire heimlich aufgesetzt wurde, wen interessierte es?

Für die Interessierten hier das Originalrezept:

½ Pfund frische Weißdornfrüchte

1 Handvoll schwarze Holunderbeeren

2 Handvoll Melisse frische Blätter und Blüten

2 TL Herzgespann ( sehr bitter)

1 Zimtstange

7 Nelken

100 g Honig

¾ l Doppelkorn

Zurück zu Claire:

Manch eins der Kinder versteckte sich hinter dem Rock der Mutter, wenn Claire im Anmarsch war. Jeder einzelne Dorfbewohner wurde von oben bis unten gemustert, ihrem strengen, durchdringenden Blick entging nichts. Denn gefiel ihr etwas nicht, gab sie dies lautstark preis, um die „Sündigen“ auf den richtigen Weg zu bringen.

Von:

„Über Geschmack lässt sich streiten“

„Bügeleisen kaputt?“ (Wenn die Bügelfalte nicht akkurat genug war)

„Hattet ihr das Wasser abgestellt?“ (Bei kleinen Schmutzflecken)

Bis hin zu den eher sehr sparsamen Äußerungen

„Oh, das ist aber ein feines Stöffchen“

war wirklich alles dabei.

Manchmal gab es ein wohltuendes Nicken oder eben ein abwertendes Kopfschütteln. Jedoch begutachtete sie die Kleidung nicht nur mit ihren Augen, nein, sie ließ jedes Kleid oder Hemd ohne Hemmungen durch ihre Finger gleiten. Selbst bei den Männern fasste die sonst so zurückhaltende Claire ungeniert den Hosenstoff probeweise an.

Claire ließ sich für die Sonn- und Feiertage vom Schneider ihre Kleider nähen. Sozusagen Ware von der Stange kaufen – wer macht denn so was?

Das wichtigste Wahrzeichen von Claire war allerdings ihr rosenbesticktes Handtäschchen. In der Kirche war es, neben dem Gebetsbuch, ihr treuester Begleiter. Provokant öffnete sie in der Kirche mit einem lautstarken Klick-Klack ihr Täschchen, sobald der Klingelbeutel im Anmarsch war. Lautstark warf sie dann die Groschen hinein, um jeden Gottesfürchtigen mitzuteilen, was der heutige Mindestbetrag sei. So mancher Sünder steckte in Hoffnung eines wohlwollenden Blicks noch die eine oder andere Münze in die Kollekte.

Sonntagskleidung wurde von Claire auch nur sonn- und feiertags getragen. So liefen sie und ihre Schwester während der Woche in geflickten, ausgeblichenen, abgetragenen Sachen herum. Für Fremde wirkten sie ärmlich. Einmal kam ein Händler, der sich im Ort verirrt hatte, zu ihr und wollte ihr ein paar Almosen spenden. Erbost jagte Claire ihn mit dem Besen von ihrem Hof.

Nach ihrem Tod fand man heimlich gestapelte Kisten mit der teuersten Unterwäsche und Strümpfen, die niemals getragen wurden. Alle noch original verpackt und fein säuberlich sortiert. Bereit, an besonderen Tagen getragen zu werden. Sie war schon etwas seltsam, die gute Claire.

Genauso heimlich gönnten die beiden Schwestern sich das eine oder andere Gläschen Herzmittel. Es war schließlich kein gewöhnlicher Alkohol, sondern eher ein göttlicher Fusel. Höchstpersönlich vom Diener Gottes zur Herzstärkung abgesegnet. Gustav hörte die Zwei dann albern kichern und über die doch so tristen Dorfwitwen lästern.

Noch eine Eigenart von Claire war, dass sie in jeder Neumondnacht kurz vor Mitternacht in ihren ausgelatschten Schluppen nach unten schlich. Sie schob ihren Sessel leise vor die alte Standuhr. Nur zur Beruhigung, trank sie ein weiteres klitzekleines Gläschen Herzmittel  und wartete, ob die Ahnen ihr etwas zuraunen würden. Dieses Ritual ließ sie sich niemals entgehen.

Trotz ihres konservativen Lebensstils, der kaum Neuerungen zuließ, traf Claire eine unglaubliche Entscheidung. Sie machte den Führerschein und drang darauf, ein Familienauto anzuschaffen. Das Auto war diese geheime Sehnsucht nach dem Leben außerhalb des Dorfs. Claire war einerseits in christlichen Konventionen verfangen, andererseits wusste sie, es gab im Leben noch sooo viel mehr. Für diese Zeit war es mehr als ungewöhnlich, dass Dorfbewohner das Wort Urlaub auch nur in den Mund nahmen. Claire interessierte das nicht, sie wollte etwas von der Welt sehen. Allein durfte eine Frau zu dieser Zeit auf keinen Fall verreisen, also musste notgedrungen die kleine Schwester mit. So auch nach Berlin. Einmal auf den Geschmack gekommen, erkundeten die Schwestern gemeinsam die große, schöne Welt Deutschlands. Wobei Claire wie immer selbstverständlich die Führung übernahm.

Johanna war eigenes Denken völlig fremd. Fast sklavisch befolgte sie die Anweisungen ihrer Schwester. Auch musste Johanna, Claires Handtäschchen für diese gut sichtbar, während der Fahrt auf ihrem Schoss platzieren. Und wehe, Johanna stellte es in den Fußraum. Der gestrenge Blick, der spitze Mund mit den geschürzten Lippen reichte aus, um sofort wieder das Brokattäschchen mit den Rosen sichtbar zu machen. Claires Fahrstil war nicht unbedingt gut zu nennen. Sie raste in einem Affenzahn durch die Gegend. Oft war Johanna Angst und Bang zumute. Mehr als nur einmal befürchtete sie, dass die letzte Mahlzeit schwungvoll auf dem Armaturenbrett landete.

Beim Bruder konnte sich Claire nicht immer so durchsetzen, wie sie es gerne hätte. Jedoch schaffte sie es stets, ihren Vorteil zu suchen und natürlich auch zu finden. Ein Ziel war, dass sie und Johanna mit ihrem Bruder ihr Leben lang den Hof bewirtschaften würden. Dies konnte nur funktionieren, wenn ihr Bruder keine Frau mit nach Hause bringen würde. Hinterlistig wusste Claire, dies zu verhindern. Briefe verschwanden heimlich. Heiratsfähige Frauen wurden grundsätzlich schlecht gemacht, fadenscheinige Gründe vermiesten jegliche mögliche Beziehung. »…kein Geld, zu wenig Geld, zu städtisch, zu dick oder zu dünn oder, die passen nicht auf den Hof« Claire fand immer wieder einen Weg, eine ernsthafte Beziehung zu verhindern. Freundinnen von Johanna wurden erbarmungslos niedergemacht, wenn sie es wagten, Gustav schöne Augen zu machen.

Im ganzen Dorf schaute man auf das Dreiergespann, oft wurde hinter vorgehaltener Hand gelästert. Gustav war immerhin nach außen der Herr im Haus. Doch alle wussten, ohne Claire wurde nichts gemacht. Sie allein bestimmte, was, wann, wo und warum zu tun war. Im Dorf nannte man sie Tant Claire (der Rheinländer verschluckt oft das e).

So erinnerte sich der Postbote daran, wie sie einmal die Annahme eines Briefes verweigerte. Auf dem Umschlag war die Adresse vermerkt: Frau Claire … Sie machte dem armen Postboten äußerst energisch klar, dass sie das nicht sei, und bestand auf der korrekten Anrede »Fräulein«. Der Postbote suchte schleunigst das Weite, nachdem er den Brief tatsächlich als unzustellbar wieder mitnehmen musste. Hätte er es gewagt, den einfach unter das Tor zu schieben. Oh je, die Konsequenzen wären fürchterlich gewesen.

Natürlich war Tant Claire wieder Dorfgespräch Nummer Eins. Laut lamentierend und an alle gewandt, machte Tant Clair jedem im Dorf klar, dass sie ein „Fräulein“ geblieben war und als solche ehrenwerte Person auch angeredet werden wolle. Sie ging sogar so weit, dass sie ihren Hausarzt wechselte, als dieser sie mit „Frau“ ansprach und auf ihre Belehrungen nicht reagierte.

Im Laufe der Zeit hatten die beiden „Juffern“ (für den Nichtrheinländer: Jungfrauen) ihren eigenen festen Lebensstil. Sie waren fromm, übten sich in der Nächstenliebe, wobei bei Tant Clair andere Maßstäbe galten als allgemein angenommen. Johanna, die bescheidene, zurückhaltende, treusorgende Hausfrau war mit ihrem Leben zufrieden. Die Geschwister der beiden kamen regelmäßig zu Besuch und brachten dann wiederum ihre Kinder mit. Nichten und Neffen waren gern gesehene Gäste und wurden auf das Beste von Johanna bewirtet. Als dann auch noch die Großnichten und Großneffen alt genug waren, um die drei Geschwister zu besuchen, herrschte reges Treiben auf dem Hof.

Allerdings gab es schon einige Eigenarten, die den jungen Menschen nicht verborgen blieben. Obwohl die Geschwister schon seit Ende der 1960 Jahre einen Fernseher besaßen, wurde kaum ferngesehen. Es gab feste Rituale, 20 Uhr die Nachrichten, danach Kasten aus. Nach den Nachrichten wurde heftigst über das politische Geschehen, über das gerade berichtet worden war, disputiert. Auch hier vertrat Tant Claire wie auch in allen übrigen Lebensbereichen ihre unumstößliche Meinung. Widerspruch war nicht erwünscht! Lediglich Gustav durfte ab und zu widersprechen – um den Hausfrieden zu wahren.

Sonntags war auch der Besuchertag, allerdings wurden die Besucher auf das Genaueste betrachtet. Man durfte sich nicht einfach so auf einen Sessel setzen. Weit gefehlt! Tant Clair residierte in ihrem Sessel, natürlich chic und dem sonntäglichen Anlass angezogen. Sie achtete peinlichst auf ihre Kleidung. Die Besucher konnten den eigenen Rang oder Stellenwert erkennen, indem sie auf die Kleidung von Tant Claire achteten. Trug sie Goldschmuck, war man schon jemand, trug sie ihre Perlen, war man schon etwas mehr. Rigoros unterzog sie jeden Besucher einer peinlichen Befragung und Begutachtung.

Johanna war immer für das leibliche Wohl verantwortlich. Sie war eine echte Künstlerin in der Küche. Es mag etwas seltsam anmuten, die Delikatesse des Hauses war selbst gemachte Bratwurst. So eine Bratwurst gab es nirgends zu kaufen. Einmal im Jahr kam der Metzger, um eins der hauseigenen Schweine zu schlachten. Kopfschüttelnd musste er mit ansehen, wie die besten Fleischstücke, die er selbst für gutes Geld als Schnitzel, Braten oder sonstige Delikatessen verwenden würde, erbarmungslos in der Maschine zerkleinert und zu einem zähen Brei verarbeitet wurden. Selbst das wertvolle Filet landete in der Bratwurst. Warum auch immer… Zähne zum Kauen hatten alle drei.

Eigenarten gab es in dieser Dreier-WG so einige. Zum Beispiel wurde der Kartoffelsalat eine Stunde vor dem Servieren auf der Herdplatte aufgewärmt. Schier unvorstellbar, doch – Tant Claire hatte es befohlen und ein Widerspruch war nicht akzeptabel!

Dann kam der Tag, als sich Gustav auf den Weg zu seinen Ahnen machte, still und leise war er gegangen. Jetzt waren es nur noch zwei. Noch am offenen Grab sah Claire Johanna tief in die Augen und sagte mit einem herrischen Tonfall, dass sie auf dem Hof bleiben würden – KOMME WAS WOLLE! Claire wusste, dass die Zukunft des Hofs an einem seidenen Faden hing. Es war die Zeit, als Garzweiler 2 erweitert werden sollte. Claire war auf sich allein gestellt, ein einsamer Kampf – David gegen Goliat. Doch dann starb Claire, noch bevor sie ihre Pläne in die Tat umsetzen konnte. Claire ging in einer Neumondnacht. Still und unbemerkt.

Johanna blieb einsam und hilflos zurück, sie drohte zu verwahrlosen. Bis Gerta, eine Nichte bei ihr einzog und man zusehen konnte, wie Johanna aufblühte. Erst jetzt konnte sie das Leben frei genießen.

Doch ein Ritual blieb, denn nun schlich Johanna in jeder Neumondnacht auf Zehenspitzen die knarrende Treppe herunter. Mit einem Gläschen Herzmittel in der Hand saß sie nun auf dem Stuhl und wartete auf eine Botschaft aus dem Jenseits. Wie vorher schon Claire, hörte jetzt Johana unregelmäßiges Ticken, Rauschen und ein meist undefinierbares Gesäusel. Ab und an allerdings meinte sie Claires Stimme zu vernehmen und war froh, wenn die Stimme freundlich klang.

Claire schien immer wieder zurückzukehren, um Johannas Leben über ihren Tod hinaus zu leiten. Zu ihren Lebzeiten lauschte Claire ihren Ahnen. Nun lauscht man ihr.

Der Hof ist noch heute im Familienbesitz.

Wie es weitergeht: Tant Clair hat Kenntnis von allen Dingen, die in dem kleinen Ort geschehen. Sie schmiedet Pläne, um den Nachfahren den Familienbesitz zu erhalten. Und Johanna erzählt ihrer Nichte noch so manche Anekdote über ihr Leben mit der herrischen Schwester. Selbst heute noch, Generationen später, bleibt eine Geschichte unvergessen. Sie wird auf allen Familienfesten immer wieder erzählt. Und zwar, wie Tant Clair ihrem Bruder Gustav zu einem blauen Auge verholfen hat.

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Kommentare

David 08.09.2021: Wann geht es mit der Dorfgeschichte weiter?

Archiv 2021

Lesung am 4. Adventssonntag

Wegen Corona konnten in dem Raum nur 10 Bewohner teilnehmen. Für mich war es möglich, mit einem Visier zu lesen, welches mir die Wohngruppe zur Verfügung gestellt hatte. Ist ein sehr ungewohntes Gefühl, wenn man gern mit den Händen gestikuliert.

Die Damen – Herren hatten sich nicht angemeldet – waren zu Beginn eher die, die mürrisch/argwöhnisch ihr noch nicht bekanntes Gegenüber beäugten. Dann machte es der Pleger wegen der Präsentation mit dem Beamer stockdunkel.

Eigentlich hatte ich mich darauf eingestellt, zwischendurch in den Erzählmodus zu verfallen, um die älteren Herrschaften bei Laune zu halten. Da man aber eben in dem stockdunklen Raum kein Gesicht sah, war alles reiner Blindflug für mich. Es war mucksmäuschenstill. Wenn ich eine Unterbrechung anbot, wurde diese abgelehnt: „nein weiterlesen!“ Es war ein echt merkwürdiges Gefühl. Obwohl ich wirklich zügig durchgelesen habe, hat die gesamte Lesung dann mit den kurzen Unterbrechungen doch genau 1 Stunde gedauert.

Als der Pfleger das Licht anmachte, durfte ich ich lauter lächelnde Gesichter sehen, wurde beklatscht und beglückwünscht zu meiner Gabe. Ursprünglich wollte der Pfleger eigentlich rausgehen, für den Fall, das es ihm zu langweilig würde. Wurde es ihm aber gar nicht. Auch er war voll begeistert, sowohl von der Geschichte als auch der Kombination von Lesen und Bildern. Mit den Worten: „Wenn Sie das tun würden, dann machen Sie noch einen Termin aus. Das ist heute super gut angekommen und wird mit Sicherheit für weitere 10 Personen ein schöner Nachmittag.“

Dann wurde mir noch mit Stolz die gruppeneigene Krippe gezeigt, bevor ich mich verabschiedet habe. Mein Fazit: Es hat mir viel Freude bereitet und meine eigene Freude ist spürbar bei den alten Menschen angekommen. Ich freue mich auf den nächsten Nachmittag. Eure Monika

Wir alle vom Team haben uns für Monika gefreut, dass alles so wunderbar geklappt hat.

Und für sie haben wir den Spruch: „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“

 

Gedanken zum Oktober

Altweibersommer

Der Abschied ist nun angesagt, es trauert die Natur,

der Sommer ist zu sehr betagt, es läuft jetzt seine Uhr.

Das Werden ist Vergangenheit, es setzt das Scheiden ein,

es zeigt sich in Erhabenheit als herbstlich schöner Schein.

Ein silberfarbnes Nachtgewand ummantelt Berg und Tal,

die Welt – sie glänzt im Ruhestand, die Sonne leuchtet fahl.

Es perlt der Tau von Halm und Blatt, der Himmel zeigt sein Blau

und jeder Tropfen spiegelt matt, verschönt des Abschieds Grau.

Vollzogen wird ein schwerer Gang in stiller Harmonie, es ist des Lebens Abgesang,

erlöschen wird es nie.

(© Klaus Ender, 1939, Bergen)

Der zehnte Monat nach dem gregorianischen Kalender und der zweite Herbst-Monat, war der achte Monat des römischen Kalenders und verdankt seinen Namen so dem lateinischen Namen der Zahl Acht („okto“). In Hexenkreisen wird der Oktober als letzter Monat des Jahres gefeiert. In vielen Traditionen beginnt das Hexenjahr im November schon neu. Daher nutzte und nutzt man im Oktober die Energien der Neuordnung und des «in Ordnung bringens»

Es ist schon interessant und zugleich amüsant, wenn man bedenkt, wie unsere Vorfahren die Monate interpretierten. Für den Oktober galt, dass alte Streitigkeiten beigelegt wurden, man verabschiedete sich von Liebeleien ohne Zukunft und auch von alten Gefühlen. Schulden mussten bezahlt werden – man machte so quasi reinen Tisch. Damit das neue Jahr unbelastet beginnen konnte. Zum Thema Schulden mussten bezahlt werden: Bis weit in unsere heutige, moderne Zeit hinein gilt in der Landwirtschaft der 31. Oktober bzw. der 1. November als Zahltag. Die Bauern, die Ländereien gepachtet haben, mussten ihren jährlichen Pachtzins spätestens am 1. November eines Kalenderjahres bezahlt haben.

Am 11.10. feierte man Meditrinalia für Gesundheit und Glück – das ist sozusagen die Basis für alle Weinfeste entlang der Rebenanbaugebiete. Hier in unserer Region sind Mosel, Saar, Rhein und Ahr beliebte Ziele für Tages- oder Wochenendausflüge. Die Meditrinalia war ein altrömisches Weinfest, welches am 11. Oktober stattfand. An diesem Tag wurde der neue Most erstmals gekostet, nachdem zuvor ein Trankopfer (Libation) dargebracht worden war. Klug wie sie damals waren, die alten Römer wussten es zu schätzen, dass Medizin eben nicht immer bitter sein musste. Der Name des Festes wurde nämlich von mederi („heilen“) abgeleitet. Warum schrieb man damals dem Wein eine heilende Wirkung zu? Kluge Köpfe waren der Meinung, wenn man den neuen Most mit eingekochtem Most des Vorjahres vermischte und dem so gemischten und durch die Opfergabe gesegneten Wein musste der unbedingt gesundheitsförderliche Wirkung zeigen. Er sollte so gegen alte und neue Krankheiten helfen. In alten Überlieferungen fand man den Trinkspruch: «Novum vetus vinum bibo, novo veteri morbo medeor.» „Ich trinke neuen und alten Wein, um von neuer und alter Krankheit geheilt zu werden.“ Und so ist es Brauch geblieben, an diesem Tag eine Flasche Wein oder Traubensaft zu teilen und einen Teil davon angemessen zu opfern.

Aber unbedingt dran denken: Der größere Teil beim Teilen geht in das Trankopfer! Dieser Anteil wird in der Natur an einem schönen Ort über passenden Objekt(en) vergossen, die direkt auf den Erdboden liegen. Edelsteine oder Schmuckstücke bieten sich dafür besonders an. Dabei trinken die Anwesenden den Wein oder Saft und wünschen sich gegenseitig Glück und Gesundheit. Die begossenen Gegenstände können von den Teilnehmern der Libation danach ein Jahr lang als Talisman für Glück und Gesundheit verwendet werden. Manche Überlieferungen sprechen diesen Brauch dem 3. Oktober zu, dem Tag des Dionysos (griechisch) bzw. Bacchus (römisch), den Götter des Weines und der Trauben, des Rausches und der Ekstase.

 

18.10. – Kartoffeltag und Kartoffel-Magie

Am 18. Oktober (Lukastag) brannten früher auf den Äckern die Kartoffelfeuer. Das welke Kartoffellaub wurde verbrannt und in der Glut wurden ganze Kartoffeln gegart. Ein Fest der Dankbarkeit und der Freude, für dieses wichtige Nahrungsmittel. Und nun zum Oktoberfest. Jeder hat davon gehört, viele waren schon da und auf der ganzen Welt wird das German Oktoberfest gefeiert. Es ist schon ein seltsames Bild, wenn in Bangkok am Flughafen asiatische Menschen in Lederhosen und Dirndln Bier aus Krügen trinken. Oder in New York in einem angesagten Club deutsche Bierzeltmusik zu hören ist und die Banker der Wall Street Maßkrüge schwenkend lauthals mitsingen.

Die wenigsten wissen, warum das Oktoberfest gefeiert wird, bei unseren Recherchen im Internet fanden wir dann die Erklärung, die auch uns noch fremd war. Die Bajuwaren unter uns höre ich schon sagen «Die Preussn mal wieder»

Das erste Oktoberfest wurde am 17. Oktober 1810 auf der heutigen Theresienwiese gefeiert. Na ja, mit der heutigen, weltbekannten «Wiesn» hat dieses Fest nicht viel gemeinsam. Grund und Anlaß für das erste Oktoberfest war die Hochzeit von Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Diese Hochzeit war sehr wichtig und musste deshalb auch standesgemäß groß gefeiert werden. Andreas von Dall’Armi, seines Zeichens Bankier und Kavelleriemajor, kam auf die Idee, das ein großes Pferderennen unbedingt zur Feier gehören müsse. Selbstverständlich durfte der damalige König, Max Josef von Bayern nicht übergangen werden. Doch dieser war richtig begeistert von dem Vorschlag und so kam es, dass das Fest auf der damaligen «Wiesn» ausgerichtet wurde. Erst nach der Hochzeit wurde diese Wiese in «Theresienwiese» umbenannt.

Das Volk war von diesem Fest derart begeistert, dass sofort klar wurde, dass dieses Fest nun jährlich stattfinden soll. In den nächsten beiden Jahren wurde es daher vom „Landwirtschaftlichen Verein in Bayern“ veranstaltet. Dort standen die Präsentation von neuartigen Landwirtschaftstechniken und Maschinen im Vordergrund. 1813 fiel das Fest dann zum ersten Mal aufgrund der der napoleonischen Kriege aus. Bis 1818 wurde das Fest von Privatleuten finanziert und organisiert. Erst 1819 nahmen sich die Münchner Stadtherren wieder der Aufgabe an und organisierten dieses Fest jährlich. Von dort an wurde das Fest immer größer und beliebter.

Durch die Organisation der Stadt kamen jedes Jahr mehr und mehr Fahrgeschäfte und Schausteller für das Fest nach München. Ein besonderes Ereignis: Die Wächterin des Oktoberfestes – die Bavaria wurde aufgestellt. In den Folgejahren musste das Fest öfters wegen Epidemien (Cholera) und Kriegen ausfallen. 1881 war die Welt der Wiesn wieder in Ordnung und die erste Hendlbraterei wurde eröffnet. Von da an konnten Gäste aus aller Welt die berühmten köstlichen Wiesnhendl genießen. (Na ja, das ist subjektiv, denn objektiv: „Es gibt Besseres!“)

Als gegen Ende des 19. Jahrhundert der Strom auf der Wiesn ankam, wurde das Fest deutlich moderner. Jahr für Jahr fand man mehr und mehr beleuchtete Schaustellerbuden. Sogar die ersten elektrisch betriebenen Karussels wurden aufgestellt. Und genau da kamen die großen Münchener Brauereien ins Spiel. Sie errichteten große Festhallen mit richtigen Musikkapellen. Im Jahre 1910 wurde das zu dieser Zeit größte Zelt, die Bräurosl mit 12.000 Plätzen, anlässlich des 100 jährigen Jubiläums feierlich eröffnet. Bis heute ist die Zahl der getrunkenen Maßen in diesem Zelt ungebrochen. 12.000 Hektoliter Bier wurden in diesem Jubiläumsjahr getrunken. Im Jahre 1950 wurde das Oktoberfest zum ersten Mal mit dem feierlichen Anzapfen eines Fasses in der Schottenhamel Festhalle durch den damaligen Oberbürgermeister Thomas Wimmer eröffnet.

Seit nunmehr 64 Jahren ist es Tradition, dass jedes Fest mit den berühmten Worten “O’zapft is” eröffnet wird, welche mittlerweile als Oktoberfest-„Slogan“ auf der ganzen Welt bekannt sind. Bis heute hat sich das Oktoberfest zu einem bunten Fest für nahezu alle Nationen gewandelt. Nicht nur unsere unmittelbaren Nachbarn wie Italien, Holland oder Österreich besuchen München zum Oktoberfest, sondern auch viele Gäste von anderen Kontinenten nehmen die weite Anreise zum Oktoberfest auf sich, um am größten Volksfest der Welt teilzunehmen. Die heutige „moderne“ Wiesn besuchen jedes Jahr über 6 Millionen Gäste aus aller Welt.

Durch die – für uns – spannende Geschichte des Oktoberfestes haben wir die anderen Themen schon ein wenig vernachlässigt. Doch wir wollen diese Gedanken zum Oktober kurz und interessant halten. Aufgefallen ist uns aber auch, dass fast nur von Feiern und Alkohol die Rede ist. Hmmmm In diesem Sinne, genießt den goldenen Oktober mit allen Sinnen

Eure Mary Winkens und Gabriela-Alexandra Scharff

 

Nachlese zum Kuloko Festival

Ein kurzer Rückblick auf die Lesungen am 10. und 12. August 2021 auf der Theaterwiese in Kuckum.

Für die Dorfgeschichte hätten wir uns statt Starkregen ein netteres Wetter gewünscht. Es hat trotzdem Spaß gemacht, auch mit wenigen Zuhörern.

Lustig war es für uns am Donnerstag. Als wir ankamen und uns umgeschaut hatten, vermissten wir die Kinder. Denn für diese hatten wir ja „Aufstand im Korallenriff“ vorbereitet. Na ja, immerhin waren 4 Kinder da. Und dann kam die Überraschung, die fehlenden Kinder wurden durch junge Erwachsene ersetzt. Diese versicherten uns, diese Geschichte unbedingt hören zu wollen, schließlich hätten sie sich ihr kindliches Gemüt bewahrt.

Bei soviel nettem und humorvollem Publikum hat das Lesen nicht nur den Zuhörern und Zuhörerinnen Spaß gemacht. Doch am Allerbesten war die Reaktion einer ganz jungen Dame (ca. 6 Jahre alt). Dieses Mädchen hatte aufmerksam gelauscht. Nachdem die Geschichte zu Ende war, sagte sie nichts, stand auf und ging zum Bach. Mit aufmerksamen Blicken suchte sie die ganze Böschung nach „Müll“ ab. Sie fand zwar sehr sehr wenig, eigentlich nur ein einziges Bonbonpapier, aber dennoch. Das hat uns gezeigt, dass die Botschaft aus dem Buch angekommen war.

Das Buch „Aufstand im Korallenriff“ von Gabriela-Alexandra Scharff und Eva-Kristina Bosshammer mit zauberhaften Illustrationen und Ausmalbildern ist im Buchhandel und online überall erhältlich.

Die Dorfgeschichte wird sukzessive hier auf unserer Website fortgesetzt. Und hier war es für uns eine völlig neue Erfahrung, wieviel Interessse seitens der jungen Erwachsenen da ist. Anscheinend sind es die banalen Dinge aus einer vergangenen Zeit, die Aufmerksamkeit erregen. Räusper… einiges haben wir selbst miterlebt, anderes entspringt so ein bisschen unserer Fantasie. Auf jeden Fall, diese Tant Claire hat es, ebenso wie ihre Geschwister, gegeben.

Gedanken zum Monat Juni

Leichtherzig ist die Sommerzeit!

Getändelt wird, geküsst, gefreit,

ein Kränzel auch wohl wird gemacht,

an Hochzeit nimmer gern gedacht. (Theodor Fontane)

Der Mai ist vergangen, der Frühling verabschiedet sich bald, um uns in die Arme des warmen und hellen Sommers zu geben. Der Mai ist der Monat, der die meiste Aufmerksamkeit für sich verbuchen darf, rosarot und himmelblau – ziemlich verklärt. Doch in diesem Jahr ist die Romantik des Mai auf der Strecke geblieben. Kalt, nass, regnerisch, für mich noch nicht mal dem April zuzuordnen, mehr dem Oktober.

Doch genug der Meckerei, wenden wir uns lieben dem unscheinbaren Juni zu. Unscheinbar? Ja, denn im Mai haben wir alle schon die knospende, keimende und aufblühende Natur gesehen. Es ist alles grün, Hecken und Bäume tragen ihr grünes Kleid. Spektakulär ist der Sommeranfang, doch im Norden stehen die Zeichen schon wieder in Richtung Herbst. Den längsten Tag des Jahres haben wir am 21. oder 22. Juni, das heißt, aber auch, ab diesem Datum werden die Tage wieder kürzer. Stimmt nicht? Oh doch! Der Gesang der Vögel richtet sich nach der Tageslänge. Somit können wir gegen Ende des Monats Juni feststellen, dass die Vogelstimmen, die man schon am frühen Morgen hören kann, weniger werden.

Im Juni werden sehr viele Rehkitze geboren. Die Neugeborenen sind oft noch nicht so weit, dass sie der Ricke folgen können, also dienen z.B. Getreidefelder als Versteck. Dort lauern aber in unserer modernen Welt gleich zwei große Gefahren: freilaufende Hunde und Mähdrescher. Diese Ungetüme sehen im dichten Getreide kein Rehkitz und deshalb werden viele unabsichtlich getötet. Der anderen Gefahr können wir vorbeugen: Hunde nur angeleint beim Spaziergang!

In einem Gewässer, egal ob Tümpel, Biotop oder Teich, kann man im Juni genau beobachten: Im Wasser wimmelt es von Kaulquappen und Jungfischen. Im Schilf findet man an den ersten Halmen die frisch geschlüpften Libellen zu Tausenden.

Die Pflanzen stehen in voller Blüte und bieten ihren Nektar verschwenderisch an. Davon ernähren sich auch unsere wundervollen Schmetterlinge. Also bezeichnet man den Juni auch als den Monat der Schmetterlinge.

Fazit: Der erste Sommermonat des Jahres fordert uns auf, durch die freie Natur zu spazieren und wirklich ganz genau hinzusehen.

Wie auch schon bei den anderen Monaten eine kurze historische Betrachtung. Der Juni ist der sechste Monat des Jahres im gregorianischen Kalender. Benannt ist er nach der römischen Göttin Juno, der Gattin des Göttervaters Jupiter. Juno galt als Göttin der Weiblichkeit, der Geburt und der Ehe – gleichzusetzen mit der griechischen Göttin Hera.

Alte deutsche Namen sind Brachet bzw. Brachmond, in Gärtnerkreisen, Rosenmonat.

In diesen Monat fällt auch einer der vier kleineren Feiertage des Jahreskreises. 20. Juni – Sommersonnenwende (auch Alban Heruin) wird gefeiert, wenn der Zeitpunkt des längsten Tages und der kürzesten Nacht des Jahres gekommen ist. Die Sommersonnenwende ist eines der wenigen heidnischen Feste, zusammen mit Beltaine, welches bis heute noch weit verbreitet gefeiert wird. Wenn auch mit ganz unterschiedlichen Traditionen, so erfreut sich die festliche Zusammenkunft an ganz besonderen Plätzen im Freien an großen Sommersonnenwende-Feuern, noch immer großer Beliebtheit. In das Sonnenwende-Feuer geworfene Wünsche und Opfergaben begünstigen eine reiche Ernte – auch im übertragenen Sinne. Dieses Fest ist ein Sonnenfest und wird an diesem festen (astronomischen) Termin gefeiert. Es ist der Tag, an dem der Zenit der Sonne den nördlichsten Punkt am nördlichen Wendekreis erreicht. Dieser Moment markiert auf der Nordhalbkugel der Erde den Beginn des Sommers nach astronomischer Definition.

Auf keinen Fall den Feen-Tag verpassen!

Die wenigsten bringen den 24. Juni in Verbindung mit dem Fairy Day, dem Feen Tag. Weltweit wird dieser Tag unter den Eingeweihten oder Bewundere dieser Zauberwesen zelebriert. So ist es Brauch, an einem schönen, meist auch idyllischen Ort in der Natur eine glitzernde Feenkerze anzuzünden. Geichzeitig werden duftende Räucherkegel verbrannt. Damit wollen die menschlichen Wesen Kontakt zu den Feen aufnehmen. Als Dank werden dann dort Perlmutt oder Glimmer-Schiefer und bunte Edelsteinchen als glitzernde Geschenke für die Feen hinterlegt. Egal wann man sich im folgenden Jahr einsam oder traurig fühlt, etwas Kraft benötigt oder die Gesundheit angeschlagen ist, darf man an diesen Platz zurückkehren und dort „energetisch auftanken“. Die Feen des Ortes sorgen für einen – wenn man sie denn auch am folgenden 24. Juni wieder besucht und beschenkt!

Und noch eine Kuriosität, der Siebenschläfertag am 27. Juni

Der kuschelige Siebenschläfer schläft zwar sieben Monate lang, doch er hat mit dem Namen dieses gleichnamigen Tages nichts zu tun. Wie so oft, liefern entweder Christentum oder Heiden die Vorlage. Und auch am 27. Juni geht der Name Siebenschläfer auf eine christliche Legende zurück. Die sieben schlafenden Brüder Im Jahre 251 verfolgte der römische Kaiser Decius erbittert die Christen in seinem Reich. In Ephesus flohen deswegen die sieben Brüder Johannes, Serapion, Martinianus, Dionysius, Constantinus, Malchus und Maximus vor dem Zorn des Kaisers in eine Höhle. Das blieb nicht unbemerkt, eine Rettung war nicht in Sicht. Der grausame Decius ließ die Brüder kurzerhand bei lebendigem Leibe in der Höhle einmauern. Fast 200 Jahre später, nämlich am 27. Juni 447, geschah dann das Wunder: Einige Schafhirten waren auf der Suche nach einem Unterschlupf für ihre Tiere. Sie fanden eine verschlossene Höhle. Als sie den Eingang der Höhle freigelegt hatten, kamen ihnen die sieben Brüder putzmunter und sehr lebendig wieder entgegen. Ihnen zu Ehren wurde dann der 27. Juni zum Siebenschläfer-Tag ernannt.

Von allen Informationen über den Monat Juni war uns persönlich der Fairy Day am sympathischsten. Und so schließen wir mit den Zeilen eines Netzfundes, veröffentlicht von Jacqueline am 14.08.2017

Die kleine Fee beobachtet Dich, sanft fragt sie: „Spürst Du mich?“

Sie schaut ganz tief in Dein Herz hinein, wenn Du die Natur achtest und ehrst,

und Dein Herz ist klar und rein, dann sollst Du stets im Reich der Feen willkommen sein.

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